Verein - EU-Nations Turnier in Brno/Brünn (Tschechien)

Das Schweizer U17-Damen-Nationalteam nahm über das Osterwochenende am EU-Nations-Turnier im Tschechischen Brünn teil. Ebenfalls im Aufgebot standen 5 Spielerinnen der SG Zug/Aegeri.

 

Lesen Sie den spannenden Erfahrungsbericht von Flavia Scherrer...

 

 

 

Am Donnerstagmorgen, den 29. März, klingelte mein Wecker um Punkt  5:00 Uhr. Normalerweise stehe ich unter der Woche nie so früh auf, doch dieser Donnerstagmorgen begann für mich - nicht wie gewöhnlich um 7:40 Uhr der Schule - sondern ein ganz besonderes, aufregendes Wochenende.Auf meiner Reise mit dabei waren meine Vereinsgenossin Andrea Hess, sowie die drei Ägerer Gina Eberle, Sophia Hug und Valérie Monney. Ohne Stau gelangten wir pünktlich  mit einem Elterntaxi zum allgemeinen Treffpunkt in Zürich; denn dort wartete bereits ein Kleinbus (17 Plätzer) auf uns. Wir wurden herzlich von unseren zukünftigen Mitspielern und Robert Jobst, dem Coach der Damen U17 Nationalmannschaft, in Empfang genommen. Ebenfalls mit an Bord waren Schiedsrichter Dean Suazo und natürlich der Fahrer. Eine sehr lange Fahrt stand uns bevor. Wie wir uns in diesen 12 - oder sogar 13 - Stunden beschäftigen sollten war uns zu Beginn noch nicht  klar, aber mit Schlafen, laut Musik hören und dazu singen, zwischendurch etwas Essen, Lesen, Zeichnen, Massieren und vor allem viel Quatschen neigte sich unsere Fahrt dann irgendwann dem Ende zu. Nach dem Abendessen schlief ich schon bald ein und war gespannt, was mich die nächsten Tage erwarten würde. 

Das Hallenbad von Brno beeindruckte uns von Anfang an; und das nicht nur von Innen, mit dem riesen Becken und der Zuschauertribüne, sondern auch von aussen mit den langen Glasscheiben.  Der Event begann mit einer Zeremonie, bei der alle Mannschaften kurz vorgestellt wurden. Die Tschechische Nationalhymne wurde zu Ehren der Gastgeber der diesjährigen Spielen, abgespielt. Je näher der Anpfiff unseres ersten Spiels rückte, desto nervöser wurde ich. Über die Taktik- Inputs vom Coach war ich sehr froh, obwohl es schlussendlich sehr schwierig für uns war, alles ideal umzusetzen. Unsere ersten Gegner, die Engländer, waren uns sowohl taktisch als auch schwimmtechnisch total überlegen. Besonders stark waren sie im Pressing, was zu vielen Gegenkontern geführt hatte. Da wir in dieser Spielformation vorher noch nie zusammengespielt hatten, mussten wir uns zuerst an uns untereinander gewöhnen, was bestimmt auch ein grosser Nachteil war. Das zweite Spiel mit dem Gegner Dänemark verlief anfangs noch sehr gut, jedoch konnten wir auch da nicht mithalten und verloren erneut. Als dieser Tag vorbei war, merkte ich, dass meine Kräfte allmählich schwanden und ich die Energie, die mich wach hielt, langsam verlor.

  Zum Glück konnten wir am 2.Spieltag lange ausschlafen, denn ich hatte die Erholung dringend gebraucht. Das Spiel gegen Tschechien gelang uns am besten. Sie waren deutlich schwächer als unsere Gegner am Tag davor. Ich fühlte mich ihnen nicht so machtlos ausgeliefert, wie es bei den ersten beiden Spielen der Fall gewesen war und konnte mich auch durchsetzen. Für den Sieg reichte es aber nicht. Bei dem 4.Spiel ging es um Platz 5 bis 8. Irland gegen Schweiz war an der Reihe; mein persönliches Lieblingsspiel. Ich würde behaupten, in diesem Spiel habe ich meine beste Leistung gezeigt, denn in den letzten Spielminuten konnte ich auch mein erstes und zugleich einziges Tor an den EU Nations schiessen. Mit besserem Zusammenspiel und mehr Ehrgeiz erkämpften sich aber die Iren den Sieg.

 

Am Ostersonntag, dem letzten Tag in Brno, durfte das “Eiertütsche bim Zmorge“  nicht fehlen. Das letzte Spiel war zu spielen und ergab dann die endgültige Platzierung. Ähnlich wie zu Beginn des Turniers, gab es  für uns und unseren Gegner, der zufälligerweise wieder Dänemark war, eine Showeinlage. Zum ersten Mal konnte ich die Schweizernationalhymne, welche ich in der Primar auswendig zu lernen hatte,  anwenden und sogar  kräftig mitsingen. Wir schlugen uns ziemlich gut die ersten Viertel, erhielten weniger Gegen-Konter und wurden ballsicherer. Wir haben uns zwar mit jedem Spiel verbessert, aber das reichte nicht. Dänemark entschied den Match für sich und landete somit auf dem 7.Platz (2. letzter Rang). Ohne einen einzigen Sieg machten wir uns auf die lange Heimreise. Glücklicherweise verflog die Zeit aber viel schneller als bei der Hinreise. Ungefähr um Mitternacht erreichten wir unser Ziel, Zürich Alpenquai. Das Elterntaxi brachte uns sicher zurück ins Zugerland, nach Hause. Fast schon wieder etwas zu wach und überdreht für diese Uhrzeit, versank ich schliesslich doch noch im Tiefschlaf.

 

Alles in allem war es eine unvergessliche, einmalige Erfahrung, welche mit viel körperlicher und mentaler Belastung verbunden war. Es war eine strenge und intensive Zeit, welche mir neue Seiten des Wasserballspielens gezeigt haben. Ich bin nicht allzu enttäuscht über unseren Rang; umso mehr versuche ich jetzt das Gelernte weiter auszubessern und auf die Spiele in der Schweiz zu übertragen. Fouls und  Ausschlüsse wurden nicht gepfiffen wie wir es uns gewohnt waren; das führte zum Teil zu Verwirrung, denn man musste sich viel mehr anstrengen, damit der Schiedsrichter einem das Foul überhaupt gab. Es wurde auch dauernd am Badekleid festgehalten und unter Wasser gezogen. Meiner Meinung nach war nicht immer alles ganz so fair, jedoch kommt dies beim Wasserball noch häufig vor.

 

Text: Flavia Scherer (SC Zug)

Bild: Flixbus.de, Gina Eberle